Hochsensibel – stark und sanft zugleich

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Irmi Riedl ist überall in meiner Wohnung zu finden.

Auf Postern, Postkarten, Aufklebern. Das Leben will gepflückt werden, ruft es mir da von der Wand im Flur entgegen. Schön, dass du da bist von der Zuckerdose in der Küche. Und Denn leicht darf’s sein vom Kärtchen, das gleich vor mir am Computer liegt.

Ihre Grafiken und Worte sind leicht, sanft und kraftvoll zugleich, berühren schon beim ersten Blick. Immer wieder merke ich, wie ich tief aufatme, wenn ich eine ihrer Grafiken anschaue.

So wie ihre Grafiken ist auch Irmi Riedl: stark und sanft zugleich. Oder auch: hochsensibel. Denn das ist eine ihrer besonderen Facetten, die neben ihr viele Menschen in sich tragen (die Forschung geht von 15 bis 20 % aus) – oft ohne es zu wissen.

Für all diese Menschen hat Irmi ein kleines Buch geschrieben und gestaltet: Meine starken, sanften Seiten – Ein (Über-)Lebens- und Tagebuch für die Hochsensiblen dieser Welt.

Ein Buch, das einlädt – zum Innehalten, Durchatmen und sich einen Moment Zeit für sich Nehmen. Dass das vor allem für Hochsensible unglaublich wichtig und wertvoll ist, hat Irmi in ihrem eigenen Leben immer wieder erfahren. Und schließlich war es das Wissen um ihre Hochsensibilität, das sie ihr Leben und ihren Berufsalltag hat auf komplett neue Füße stellen lassen.

Irmi, als Kind und Jugendliche hast du dich oft missverstanden gefühlt und dich gefragt, warum du um so viel empfindsamer bist als die anderen. Als Erwachsene hast du versucht, in der hektischen Arbeitswelt mitzuhalten – bis du nicht mehr konntest.

Zwei Wegstrecken, die viele Hochsensible ähnlich erfahren haben. Was brachte den Wandel in deinem Leben?

Nach sehr intensiven, arbeitsreichen Agenturjahren (Wochenende inbegriffen und nach der Arbeit zu Hause ging es auch oft bis spät in die Nacht weiter), ging mir jegliche Kraft aus. Aber ich wurde damals scheinbar gut geführt und entdeckte schon im Jahr 2000 in der Zeitschrift „Psychologie heute“ einen Artikel über Hochsensibilität.

Das war die reinste Offenbarung für mich. Ich wusste jetzt, dass ich auf jeden Fall etwas ändern musste, um nicht krank zu werden. So bat ich um ein Gespräch bei meinem damaligen Chef und gab ihm den Artikel zu lesen. „Ja die Künstlertypen sind halt etwas sensibler und anders. Schau, dass du es dir gut einrichtest, Irmi“, war sein kurzer, verständnisvoller Kommentar. Toll oder?

Da wurde mir schlagartig klar, dass er mich längst auch als „etwas anders“ einstufte. So verkürzte ich meinen Agenturtag täglich und ging statt 18 Uhr schon um 16 Uhr, wobei ich praktisch zu Hause weiter arbeitete.

Das war aber kein Problem mehr, denn zu Hause fehlte die allgemeine, hektische Geräuschkulisse. Mein Chef bekam so eine kreativere Grafikerin – denn mein Job als Grafikerin, der macht mir ja grundsätzlich Spaß, nur die Bedingungen und das Umfeld war das, was mich damals sehr herausforderte.

Leider sind nicht alle Vorgesetzten so offen für das Thema Hochsensibilität wie dein damaliger Chef.

Was kannst du anderen Menschen mit auf den Weg geben, die sagen: Der Rhythmus bei der Arbeit tut mir so gar nicht gut, doch ich weiß nicht, wie ich etwas verändern kann. Wo können sie ansetzen?

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Ich bin davon überzeugt, viele Chefs schätzen die Wesensart eines Hochsensiblen, die sich charakterisiert durch Aspekte wie Verlässlichkeit, Einsatz für Fairness und Harmonie, Gewissenhaftigkeit, Empathie, Rücksichtnahme und ausgeprägte Vorstellungskraft und erkennen durchaus die Vorteile für die Firma darin.

Deshalb möchte ich alle Hochsensiblen dazu ermuntern, offen über ihre Veranlagung zu sprechen. Unterstützend könnte man eine Publikation (dazu gibt es mittlerweile viele, wie auch mein Büchlein) zur Hilfe nehmen.

Die Arbeitsbedingungen sind vielleicht gar nicht so starr, dass sie nicht an einige Bedürfnisse anpasst werden könnten. Wenn man seinen Kollegen oder seinem Chef klar vermitteln kann, dass dadurch eine win-win-Situation für alle entstehen kann, sollte man sich unbedingt trauen.

Wichtig ist, sich und seine Bedürfnisse ernst zu nehmen und stets selbst gut für sich zu sorgen, denn das nimmt einem keiner ab.

Mit deinem Buch Meine starken, sanften Seiten hast du einen Hosentaschenbegleiter geschrieben. Einen, in dem sich immer wieder blättern lässt, der kleine Inspirationen und kurze Impulstexte enthält, ebenso wie viel Raum für eigene Notizen.

Welcher Wunsch steckt hinter dem Büchlein?

Der Zeitungsartikel in der „Psychologie heute“ damals fasste im Prinzip das Buch von Elaine Aron – der Pionierin zum Thema Hochsensibilität – zusammen. Weitere Bücher zum Thema las ich, musste aber feststellen, dass nicht wirklich viel mehr zu erfahren war. In dem Zeitungsartikel fand ich bereits alles Wissenswerte, präzise zusammengefasst.

Die wesentlichen Wesensmerkmale der Hochsensibilität, also die Essenz, die für mich damals in dem Artikel stand, war der Wendepunkt in meinem Leben. Und genau diese Essenz wollte ich als kleines Büchlein, in ansprechender Form in die Welt bringen.

Meine zarten Figurinas, libellenartige Figuren, finde ich wie gemacht für dieses Thema und so haben viele davon ihren Platz in dem Büchlein gefunden.

Grenzen setzen, Zeit für Rückzug finden, bei sich bleiben, gut für sich selbst sorgen – du sprichst in deinem Buch viele der Themen an, denen Hochsensible jeden Tag begegnen.

Welches Thema war für dich auf deinem Weg das herausforderndste?

A6 sensi-beschnitt yourdruck_Layout 1Man könnte vermuten, das Berufsleben ist die größte Herausforderung. Dazu hatte ich aber schon als Kind meine Vorstellungen beziehungsweise ein eigenes, gutes Gefühl entwickelt. Von diesem freiheitlichen, selbstbestimmten und leichten Gefühl, ließ ich mich bis jetzt immer leiten. Davon bin ich auch nie ganz abgewichen.

Meine größte Herausforderung ist eigentlich das Thema Lärm. Vor allem der, der sich eigentlich umgehen ließe, wie zum Beispiel Laubgebläse. Oder rücksichtsloses lautes Verhalten, wie bei lauter Musik. Wären alle Mitbewohner hochsensibel, hätte ich hier mein Paradies gefunden.

In der Agentur hieß es übrigens: „Die Irmi hört man gar nicht, die schwebt immer so herein.“ Manchmal bin ich aber auch kurz vorm Verzweifeln über den Krach mancher Mitbewohner. Mein Trick ist dann, nur schöne Musik laufen zu lassen. Dieser lenkt vom Lärm über mir ab.

Wenn es aber doch zu viel wird), drehe ich kurz mal richtig auf, so wissen sie Bescheid. Das klappt sogar ;). Gegen Rasenmäher und Co. gibt es ja, Gott sei Dank, geräuschdämmende Fenster oder Ohrenstöpsel.

Wie geht es dir heute mit deiner Hochsensibilität – erlebst du sie öfters als Herausforderung oder als Gabe?

Ganz klar – beides trifft zu.

Als Herausforderung habe ich gerade den Lärm beschrieben. Diese Aufgabe wird mich sicherlich mein Leben lang begleiten. Mir hilft aber die Erkenntnis, dass sich die weniger Sensiblen ihre Wesensart sicherlich genau so wenig ausgesucht haben, wie die Hochsensiblen ihre. Und wenn man sich bewusst macht, welcher Grund oftmals hinter dem Krach steht, nämlich pure Lebensfreude, dann versöhnt mich auch dieser Gedanke.

A6 sensi-beschnitt yourdruck_Layout 1Als Gabe erlebe ich sie dennoch, vorausgesetzt, ich gehe auf meine Bedürfnisse ein. Eben für ausreichend Schlaf und Erholungsphasen zu sorgen und gut verträgliche Nahrungsmittel zu mir zu nehmen.

Im Job ist mir meine Empathie sehr hilfreich, um mich in meine Kunden einzufühlen. Das wird mir auch immer wieder von meinen Stammkunden bestätigt. So bekommen sie Produkte, mit denen sie sich gut identifizieren können.

Als hochsensible Mutter mit einem hochsensiblen Sohn hatte ich großes Glück. Er ist mittlerweile erwachsen, aber es gab zu keiner Zeit (inklusive Pubertät) zwischen uns Verständigungsschwierigkeiten. Die Zeit mit ihm war einfach nur schön.

Kinder bringen schon so vieles mit und es ist spannend, hinzusehen, wer da eigentlich heranwächst. Ein Vorteil ist eine gute Beobachtungsgabe, die feinen Wesenszüge des anderen wahrzunehmen und auch zu respektieren. Ehrlich gesagt, habe ich mich stets erinnert, wie es mir selber als Kind in bestimmten Situationen gegangen ist, und so ist es ein leichtes, auf das eigene Kind mitfühlend einzugehen und es ernst zu nehmen.

Mir fällt auf, dass ich mich privat eigentlich eher mit hochsensiblen Menschen umgebe. Auch mein Partner ist so einer. Wir müssen manchmal lachen, dass wir schon im Vorübergehen des anderen genau wissen, was beim anderen los ist. Keine Chance, einem Hochsensiblen kannst du nichts vormachen. Wir haben uns eine Atmosphäre geschaffen, die geprägt ist von friedlicher, liebevoller Achtsamkeit. In dieser können wir auftanken.

Was unterstützt dich darin, gut mit den Herausforderungen umzugehen, die die Hochsensibilität mit sich bringt? Gibt es da etwas, das dich schon lange begleitet?

Um mit seiner Hochsensibilität in Frieden zu kommen ist es wichtig, die eigenen Grenzen zu kennen. Jeder sollte lernen, sein Leben auf seine besonderen Bedürfnisse abzustimmen. Das setzt aber eine gute Selbsterkenntnis voraus – der erste Schritt zu einer Verbesserung der Lebensqualität. Es ist von großer Bedeutung zu erkennen, was es braucht, um sich in der Welt wohlzufühlen und wann man sich lieber zurückziehen sollte.

A6 sensi-beschnitt yourdruck_Layout 1Mein täglicher Spaziergang in dem nahe gelegenen Waldpark ist so ein Ritual. So einfach, dennoch unentbehrlich für die gestressten Nerven. Für jeden ist es aber etwas anderes. Man muss es nur tun.

Seitdem ich erfuhr, dass Hochsensible mehr Schlaf brauchen, gehe ich auch früher zu Bett und das mit einem guten Gewissen und sehr zum Wohle meiner Mitmenschen. Denn unausgeschlafen kann ich ziemlich schnell gereizt reagieren.

Manchmal „ruft“ mein Körper regelrecht nach Yoga. Vor allem wenn ich zu wenige Pausen gemacht habe und es überall im Körper schmerzt. Die Wirkung gleicht einem Wellnesstag und bringt mich wieder in meine Mitte.

Als ich begriff, wie ich ticke, habe ich aufgehört, mich mit der Mehrheit der Menschen zu vergleichen. Das nimmt schon mal Druck weg. Und wenn man es als hochsensibler Mensch schafft, seine spezielle Wahrnehmung, seinen Sinn für Harmonie, seine hohen Werte und besondere Sicht der Dinge klar und selbstbewusst zu vermitteln, ist das sicherlich ein Gewinn für alle.

Jede Organisation, jedes Team und die Gesellschaft profitiert von uns Feinfühligen. Seit jeher ergänzen sich Hochsensible und Normalsensible und jede Unausgewogenheit wäre unharmonisch. Unsere starke Seite ist nun mal auch unsere feinfühlige Seite. Dessen sollte man sich auch immer bewusst sein.

Mein Gebot heißt übrigens: „Du sollst deine Sensibilität nicht für dich alleine behalten!“ Die Welt braucht uns Sensible!

Danke dir, liebe Irmi, für das Gespräch! Alle Bücher, Grafiken und anderes von Irmi findest du in ihrem Shop.

Lass dich beschenken!

Gemeinsam verlosen Irmi und ich drei von Irmis Hochsensibel-Büchlein.

Wenn du an der Verlosung teilnehmen magst, hinterlasse einfach bis Sonntag, 27. September 2015 einen Kommentar hier am Ende der Seite (deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht) und verrate uns, was dich darin unterstützt, (als Hochsensible) ganz in deiner Kraft zu bleiben – und gerne auch, in welchen Momenten du deine Hochsensibilität als Stärke und Schatz erlebst.

Die GewinnerInnen werden Anfang der neuen Woche ausgelost und per E-Mail benachrichtigt.

Je eines der drei Bücher gewonnen haben Natascha, Anette und Ursa. Ihr werdet per E-Mail benachrichtigt. Herzlichen Glückwunsch!

Und natürlich interessiert mich auch weiterhin was dich darin unterstützt, (als Hochsensible) ganz in deiner Kraft zu bleiben – und  in welchen Momenten du deine Hochsensibilität als Stärke und Schatz erlebst.

Viele Informationen zum Thema findest du auch auf hochsensibel.org. Einen Test zum Thema Hochsensibilität findest du hier für dich.

 

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64 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Mich würde noch interessieren, was Eure Erfahrung ist, wie die Medizin mit dem Thema “Hochsensibilität” umgeht? Ich habe heute sehr viel im Blog über das Thema gelesen und verstehe plötzlich viel mehr meine zwölfjährige Tochter! Sie hatte es mit ihrer ausgeprägten Feinfühligkeit sehr schwer in Schule und Hort. Sie wollte sogar eine Psychotherapie machen – von Hochsensiblität hat bei ihr allerdings noch kein Arzt, Therapeut oder Lehrer gesprochen. Wissen die überhaupt, dass es das gibt? Beim Hochsensibilitätstest sind bei meiner Tochter alle 23 Punkte positiv (außer Kaffee – probierten wir noch nicht aus). Wie kann es sein, dass Fachleute wie diese, darauf nicht eingehen?

    • Liebe Maria,

      danke dir für deine Frage! Das Thema Hochsensibilität ist leider bislang noch nicht recht eingezogen in die medizinische Fachwelt. Es gibt einzelne Therapeuten (in diesem Bereich bin ich schon mehr Menschen begegnet, die sich mit dem Thema Hochsensibilität beschäftigen als im medizinischen Bereich), die sich mehr und mehr damit befassen, doch leider ist es immer noch eine Seltenheit. Und natürlich steht die Forschung verhältnismäßig auch noch am Anfang, so dauert es oft seine Zeit, bis solch ein neues Thema wirklich Teil einer Fachwelt geworden ist.

      Seit ich um meine eigene Hochsensibilität weiß, vermag ich jedoch viel mehr zu schauen, was ich brauche und was gut für mich ist. Jetzt weiß ich, warum ich auf Medikamente häufig sehr heftig reagiere und warum pflanzliche, alternative Wege meist viel besser wirken.

      Der Verband für Hochsensibilität in Deutschland hat in seiner Infobroschüre auch eine Seite stehen, die für Fachpersonen im medizinischen und therapeutischen Bereich als Aufklärung gedacht ist, ebenso findest du hier viele Kontakte, auch zu spezialisierten Therapeuten, Fachzentren etc. Ich bin sicher, dort findest du viele Informationen, die dir weiterzuhelfen vermögen.

      Alles Liebe,
      Sabrina

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